In der Matrix – Ein Storyboard als Comicstrip

CineStar
Nürnberger Straße 31


Die Preproduction von Spielfilmen hat längst eine Subspezies der "sequentiellen Kunst" (Will Eisner) hervorgebracht, die in der Comic-Diskussion kaum Beachtung findet. Dabei sind an dieser Subspezies durchaus prominente Comic-Zeichner beteiligt. Es handelt sich um das Storyboard. So bezeichnet man die Vorzeichnungen aller Einstellungen eines geplanten Films auf Papier. Das Storyboard soll vor Drehbeginn Einstellungsgrößen, Kamerawinkel und die Positionen der Schauspieler definieren. Es ist also eine Art Film in grafischer Form. Die Handlung wird, genau wie beim Comic, in gezeichneten Bildern erzählt; nur Sprechblasen fallen weg.
Während Filmplots oft genug als schlechte Romane nacherzählt werden, kommt ein Storyboard nur selten auf den Markt. Anders war das bei "Matrix", dem schnell zu kultischem Ruhm gelangten Werk der Wachowski-Brüder. Hierzu wurden Drehbuch und Storyboard in einem fulminanten Wälzer veröffentlicht, dessen deutsche Ausgabe der Nürnberger Burgschmiet Verlag herausgab. Nun kann man sich "Matrix" als gelungenen Comicstrip anschauen. Dass er gelang, ist kein Wunder, sind von der Produktion doch zwei Zeichner für das Storyboard angestellt worden, die lange Erfahrungen als Comic-Künstler besitzen. Steve Skroce hat an "The Amazing Spiderman", "Cable", "Wolverine" und "X-Men" mitgearbeitet, Geof Darrow war an Frank Millers "Hard Boiled" und "Big Guy and Rusty the Boy Robot" beteiligt und schreibt und zeichnet für die Serie "Shaolin Cowboy", die bei Dark Horse Comics erscheint.
Die Storyboard-Grafik von Skroce und Darrow hat die Dynamik des Films in sehr temporeichen Bildern vorweggenommen und lässt die düstere Action-Stimmung von "Matrix" auf einer anderen Ebene ziemlich hart und weniger verspielt als in der Zelluloid-Fassung lebendig werden. Hinzu kommt ein atemberaubendes Großstadtgefühl, das nicht nur durch architektonische Hintergründe, sondern vor allem durch den metropolitanen Rhythmus der Bildfolgen erzeugt wird. So kann das produktionstechnische Hilfsmittel des Storyboard als eigenständige Bildergeschichte durchgehen, die hier erstmals in Deutschland in einer Ausstellung präsentiert wird. (HH)

© Stadt Erlangen und Verfasser

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